Neues Jahr, neues Glück.

Eine ziemlich abgedroschene Floskel, doch hat der Beginn eines neuen Jahres dennoch etwas, was nach „Aufbruch“ riecht. Die Motivation, neu durchzustarten, ist definitiv da.

Meine Vorsätze für das neue Jahr sind relativ bescheiden: Einen Gang zurückschalten und sich nicht vom Stress überrollen lassen.

Aktuell befinde ich mich in der Prüfungsphase, eine Prüfung schreibe ich noch, eh ich mich erstmal auf die Semesterferien freuen kann. Da ich seit Dezember nun auch mal einen Nebenjob habe, werde ich in den kommenden Wochen mich primär auf’s Geldverdienen konzentrieren.

Zudem lief nun auch meine Therapie regulär an. Ich bin gespannt, was sich da ergibt und welche Wege sie mir öffnet.

Auch das Studium muss ich entschleunigen, um nicht komplett auszubrennen. Aber damit habe ich mich mittlerweile abgefunden. In Kombination mit der Therapie wird sich bestimmt ein akzeptabler Mittelweg finden lassen.

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Dilemma: Gruppenarbeit

Ganz großes Alptraumthema: Gruppenarbeiten im Studium.

Ich saß heute mit ~4 Leuten in einem Raum und musste diskutieren, wie ich mir meinen Part einer Präsentation vorstelle. Ich hätte am liebsten schreienderweise den Raum verlassen. Es fühlte sich an, als würden die Wände auf mich zukommen und gnadenlos zerdrücken. Genau deswegen kann ich nicht mit Menschen arbeiten..

Die Situation zeigte mir irgendwie wieder, wie autistisch ich eigentlich bin, obwohl ich nach außen relativ normal zu funktionieren scheine.. Alleine könnte ich solche Projekte viel effektiver bewältigen, so saß ich nur unproduktiv herum und konnte nichts beitragen. Das Bild, das ich dort ablieferte, möchte ich erst gar nicht vor Augen haben..Leider ist das erst der Anfang. Die nächsten Semester bestehen quasi nur noch aus solchen Gruppenarbeiten und Projekten.

Ich könnte heulen!

Ich habe Angst.

Eigentlich müsste ich nun weiter an der Präsentation arbeiten, doch haben mich die zwei Stunden mit ~vier Leuten in einem Raum so erschöpft, dass ich nun zu nichts imstande bin. Ich bin leer, ich bin ausgebrannt, ich bin kurz davor, wieder einmal von meinen Gedanken überrannt zu werden und den Kopf die nächsten Tage wieder völlig in den Sand zu stecken.

Es ist einfach fürchterlich und eine Höllenqual, mit einer banalen Selbstverständlichkeit zu Gruppenarbeiten gezwungen zu werden. Es wird von den Professoren einfach vorausgesetzt.

Schon mehrfach versuchte ich, einen Nachteilsausgleich für diese Thematik zu erlangen, in der Hoffnung für mich allein arbeiten zu dürfen.. In aller Regelmäßigkeit schreibe ich diese Thematiken in meinen Emails nieder. Leider blieben jegliche Anfragen dahingehend bei der Hochschule Osnabrück unbeantwortet. Kontinuierlich werde ich an die Nachteilsausgleiche zu den Prüfungen verwiesen. Mehr ist nicht drin? Als Autist mit sozialen Problemen hat man an dieser Hochschule leider die sprichwörtliche Arschkarte gezogen und muss sehen, wie man klarkommt.

Schwerwiegende Probleme? Ärztliche Gutachten und Diagnosen? Schwerbehindertenausweis? Scheint alles keine Relevanz zu besitzen. Bislang empfand ich keinerlei Entgegenkommen oder Unterstützung seitens der zuständigen Stellen. Lediglich in Prüfungen durfte ich Ohrstöpsel tragen. Aber das Gravierende ist diese verdammte Gruppenarbeit, zu der ich nicht imstande bin. Hier scheint es keine Lösung zu geben, die in Form von Nachteilsausgleichen mir zugute kommen kann.

Was sehr traurig ist, da es sämtliche Stellen für Inklusion, Integration und Gleichstellung gibt. Aber offensichtlich ist die gendergerechte Sprache wichtiger, als das Angebot an Unterstützungsmaßnahmen für autistische Studenten (Ja, Studenten, nicht Studierende!).

Das Einzige, was mich im Studium wirklich behindert, ist der verdammte Zwang zur sozialen Interaktion – nicht mein Autismus. Nur leider kann ich die Thematik im Alltag nicht offen kommunizieren und möchte auch nicht ständig mit der Tür ins Haus fallen oder die Rolle des Sonderlings einnehmen.

Fakt ist jedoch: Alleine kann ich viel effektiver und produktiver arbeiten. Meine Vergangenheit ist die beste Referenz dafür, dass ich ein Kämpfer bin, der seine Ziele erreicht. Aber auf die Bedürfnisse eines Einzelnen scheint es gar nicht anzukommen. So viel zum Thema Inklusion. Diese besteht nur auf dem Papier und in tollen Instagramvideos, die das Studieren mit Behinderung schmackhaft machen sollen, auch wenn die Realität einem jeden Tag ins Gesicht schlägt und man nur all zu oft dran erinnert wird, dass jeder Tag ein Kampf ist.

Ich fühle mich verdammt hilflos, so kenne ich mich gar nicht..

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Teamwork über alles!

Im aktuellen Semester gibt es ein Modul, in dem es darum geht, Aufgaben als Team, in einer Art Rallye zu lösen.. Heute ereilte mich eine Situation, wie ich sie schon unzählige Male erlebte: Ich fand kein Team und irrte alleine umher. Etwas konfus, auf jeden Fall sehr kopflos.

Während alle um mich herum bereits loszogen, um die Aufgaben zu lösen, stand ich die ersten 15 Minuten völlig hilflos und irritiert auf dem Gang, ohne mich auch nur ansatzweise konzentrieren zu können. Es war eine jener Situationen, in denen mich meine Gedanken völlig kontrollierten. Alles um mich herum wurde unausstehlich laut, jede noch so kleine Nuance wurde zu einem Tsunami, der ungehindert auf mein Hirn einbretterte. Ich begann zu schaukeln und hätte am Liebsten geheult, geschrien und mir dabei hüpfenderweise die Ohren zugehalten. Zum Glück Blieb es beim „HÄTTE“.

Jedoch zog ich trotz aller Zurückhaltung dennoch die Aufmerksamkeit einiger (fremder) Leute auf mich. Ich erweckte allerdings nicht die nötigen Kompetenzen, die mich als mögliches Teammitglied interessant machten. Viel mehr wurde ich Ziel von Gespött und Gelächter; subtile Seitenhiebe, die mehr als deutlich in meine Richtung gingen.

Ironischerweise schienen mich eben jene zu verspotten, die nahezu verzeifelt nach Lösungswegen zu ihren Aufgaben suchten – obwohl die Lösungswege so simpel waren.

Solche Situationen machen mich immer wieder traurig.

Unpraktischerweise waren viele Aufgaben so ausgelegt, dass sie eben nur als Team gelöst werden konnten. Ferner sind Lösungen zu allen Aufgaben erforderlich, um das Modul zu bestehen.

Ich fuhr heim.

Ich bin leer.

Es vergeht kaum eine Woche, in der ich solche Situationen nicht erlebe. Dieser ständige zwang zu Gruppenarbeit ist eine unsagbar schlimme Belastung für mich, die mich jedes Mal an den Rand der Verzweiflung bringt und jegliche Energie raubt. Ich gehe morgens schon mit einem Klos im Magen zur Uni, weil ich weiß, dass solche Situationen an der Tagesordnung sind. Leider bin ich dann in keinster Weise imstande, um Hilfe zu bitten. Im Gegenteil, ich ziehe mich völlig zurück und kapsel mich komplett ab.

Warum sind Menschen eine solche Qual?

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Ziel nicht erreicht: Im Studium nach nur zwei Semestern versagt?

Ich habe nun ein Problem: Auch wenn die Freude groß ist, dass ich die aktuellen Prüfungen des zweiten Semesters alle bestanden habe – zumindest die vier, die ich schrieb – habe ich nicht alle Credits erreicht, die ich erreichen musste.

Dadurch, dass mich die völlig neue Situation (quasi erster eigener Haushalt, neues Umfeld, traumatische Vorbelastung im Jahr zuvor, viele neue Menschen um mich herum, aufgeben der gewohnten Umgebung) im ersten Semester total überforderte und ich die meiste Zeit fast manisch ins Renovieren meiner Wohnung, statt ins Studieren investierte, wurden mir aus dem ersten Semester nur drei Prüfungen angerechnet.

Ich musste mir einen sicheren Heimathafen bauen, dies konnte ich nur, in dem ich die Wohnung komplett nach meinen Bedürfnissen umbaute und mich ausschließlich auf mich und meine Bedürfnisse konzentrierte. Das Letzte, was ich gebrauchen konnte, waren überfüllte Hörsäle und Menschen um mich herum.

Ergo: Von möglichen 55 Credits bin ich lediglich bei 30. Das Problem: Man benötigt mindestens 40 Credits, um überhaupt zu den Prüfungen des dritten Semesters zugelassen zu werden.

Und hier beginnt erneut der Gedankenstrudel..

Ich schaffe es momentan einfach nicht, die erforderlichen Prüfungen alle zeitnah abzulegen und schiebe deshalb – auch auf Anraten eines Psychologen – bewusst auf. Die Flut an Eindrücken, die von außen auf mich niederprasseln, ist immer noch so groß, dass ich kaum Platz im Kopf habe, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ich zerdenke alles Banale und kann meine Gedanken seit einem Jahr nicht mehr nach Prioritäten sortieren und Unwichtiges ausblenden. Dadurch stehe ich seit einem Jahr autismusbedingt fast ständig kurz vor einem Burnout. Eine missverstandene Situation, ein falscher Gedanke und ich verlasse über Tage nicht das Bett – was mich abermals zurückwirft.

Ich versuche nun, die mangelnden Credits mit meiner Behinderung zu argumentieren und hoffe, dass auch hier eine Art Nachteilsausgleich akzeptiert wird.

Ansonsten könnte ich im Januar keine Prüfungen des kommenden Semesters ablegen. Ich würde mir zwar die folgenden Vorlesungen anschauen, müsste aber bis zum Sommer warten, eh ich die Prüfungen schreiben könnte. Im Sommer kämen jedoch sechs weitere Prüfungen des vierten Semesters hinzu. Womit ich bei zwölf Prüfungen wäre, für die ich lernen müsste. Mir sind selbst sechs Prüfungen pro Semester zu viel, weshalb ich bewusst maximal vier bis dato schrieb.

Unter dieser Prämisse würde ich durch die Nichtzulassung im Januar, nun für den Rest meines Studiums fortwährend jegliche Prüfungen nicht im Anschluss des jeweiligen Semesters schreiben, sondern immer im darauf folgenden Semester. Ich müsste also alles doppelt lernen.

In meiner jetzigen Situation ein absoluter Genickschuss, ohne Zukunft, in einer Situation, in der mich jede Kleinigkeit plötzlich überfordert:

  • Der eigene Haushalt; völlig allein in einer fremden Stadt.
  • Die Tatsache, dass ich es noch immer nicht geschafft habe, mir Fachärzte in Osnabrück zu suchen.
  • Die bürokratischen Hürden des Alltags.
  • Die Bafög-Finanzierung und die damit entstehenden Schulden.
  • Die Finanzierung meines Lebens, bei Überschreiten der Regelstudienzeit.
  • Die Tatsache, momentan nicht arbeitsfähig zu sein; mich nicht selbstständig finanzieren zu können.
  • Anträge auf Kostenübernahmen für Therapien.
  • Rechnungen.
  • Die – immer noch – unbekannte Stadt Osnabrück.
  • Die Tatsache, immer noch keinen Anschluss gefunden zu haben – und in meiner jetzigen mentalen Verfassung auch nicht finden werde.
  • Nicht zuletzt zerbricht mir das Studium den Kopf, insbesondere die Panik vor anstehender Projektarbeit mit Kommilitonen und die aktuelle Wahl der Module fürs WiSe, die mich einfach völlig überfordert, weil es so viele Überschneidungen gibt, die nicht logisch erscheinen.

Selbst das Einkaufen und die Planung für das Mittagessen am kommenden Tag beschäftigt mich manchmal so lang, dass wichtige Dinge keinen Platz im Kopf finden.

Nur ein kleiner Blick in meine Gedankenwelt.

Das letzte was ich nun gebrauchen kann, ist eine weitere Verzögerung des Studiums, durch nicht erreichen von Credits, wegen meiner Behinderung, die es mir momentan einfach nicht zulässt, mehr Engagement zu zeigen.

Ich weiß, dass ich in meiner Situation dringend eine Therapie benötige. Die nötigen Schritte dazu sind eingeleitet, aber ich habe Angst, dass mir die Therapie aufgrund weiterer bürokratischer Hürden und Vorgaben nicht gewährt wird. Allein deswegen kann ich seit Wochen nicht schlafen und spinne mir Situationen zusammen, die rein hypothetisch sind.

Als ich noch in der Heimat wohnte, mein gewohntes Umfeld hatte, habe ich sämtliche Abschlüsse als Jahrgangsbester absolviert, verkürzte meine Ausbildung um ein Jahr und fand mich als Überflieger in Zeitungsartikeln wieder und stand deswegen – für meinen Geschmack – viel zu oft im Mittelpunkt. Ich bin intelligent aber ich benötige – aufgrund der völlig anderen Situation momentan – einfach Zeit und keine weiteren bürokratisch festgesetzen Hürden. Unter den aktuellen Bedingungen bin ich einfach nicht in der Lage, meine Leistungen auf einem Niveau zu bieten, wie ich es eigentlich von mir gewohnt bin.

Ich habe Angst. Jeden Tag.

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Stand der Dinge

Seit Ende Juni ist es hier etwas still geworden. Damals erwägte ich, mich endlich in eine autismusspezifische Therapie zu begeben und schilderte meine Gedanken zur ersten Kontaktaufnahme via Email.

Mittlerweile sind einige Monate vergangen, in Therapie bin ich zwar noch immer nicht, aber es stand ein Berg von Bürokratie zwischen mir und meiner Zukunft.

Kurz nachdem ich im Juni den ersten Kontaktversuch startete, bekam ich einen Termin für ein erstes Gespräch. Schnell stellte sich heraus, dass ich an der richtigen Stelle angekommen war und ich füllte sämtliche Anträge aus.

Wenig später erhielt ich Post vom Sozialamt – Schock! Sozialamt? Ich? Wieso! Zu allem Überfluss forderte man von mir sämtliche private Details und Einblicke in mein komplettes finanzielles Leben der letzten fünf Jahre.

Der Grund ist simpel: Solche Therapien werden nicht von den Krankenkassen getragen, sondern ausschließlich aus öffentlicher Hand bezahlt, ergo durchs Sozialamt übernommen. Daher wird akribisch der finanzielle Background geprüft.

Unsinnigerweise schickte man mir sämtliche Standardformulare zu, die in meiner Situation eigentlich völlig irrelevant waren: Nämlich Anträge auf Wohngeld, Sozialhilfe, etcpp. Dadurch wurde ich noch mehr verunsichert und Kontaktiere die Autismusambulanz bezüglich Hilfestellungen. Ja, die Bürokratie kann mich schon sehr aus der Bahn bringen, wenn es eigentlich simpel hätte sein können.. Steuererklärungen, BaföG-Anträge, Gewerbescheine.. Alles kein Problem für mich, aber diese Anträge sprengten meinen Horizont.

Durch den erneuten Beratungstermin beim Leiter der Therapierinrichtung, fasste ich wieder mehr Mut und begab mich an das Zusammentragen der Unterlagen:

Immatrikulationsbescheinigungen, BaföG-Bescheide, Mietvertrag, Kontoauszüge der letzten sechs Monate, eine offizielle Bescheinigung der Bank über meine Kontoverhältnisse und zudem Versicherungspolicen, sogar die der Hausrat- und Haftpflichtversicherungen.

Ich brauchte fast die gesamten Semsterferien, um den Berg an Informationen und Unterlagen zusammenzutragen. Letztendlich schickte ich einen Stapel von knapp 400gr Gewicht ab. Nein, gewogen habe ich nicht, aber die Post tat dies für mich 😉

Nach rund einer Woche beginnt nun erneut also das Warten. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, sehr langsam. Jedoch warte ich nun ohne Zeitdruck, denn ich habe meine Schuldigkeit getan und kann nur noch hoffen, dass ich die Therapie zeitnah beginnen kann. Letztendlich hängt davon mein Studiumserfolg ab. Denn ohne Workarounds sehe ich mich mittlerweile nicht mehr in der Lage, meine Situation zu meistern.

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Nägel mit Köpfen, Fortsetzung.

Letzte Woche fasste ich den Entschluss, dass etwas geschehen muss. So weit so gut. Nachdem ich in den letzten Monaten mit sämtlichen Stellen an der Hochschule in Kontakt war, die mir alle nicht wirklich weitergeholfen haben, wandte ich mich nun an die Psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerkes.

Man verwies mich an ein hiesiges Autismuszentrum, dem ich umgehend meine Problematiken per Mail schilderte. Voller Erwartung und Hoffnung, endlich die richtige Anlaufstelle gefunden zu haben, kontrollierte ich während der letzten 7 Tage im Stundentakt meinen Posteingang. Leider vergebens.

Habe nun eine weitere Nachfrage geschickt.. Ich hoffe, die lassen mich nicht auflaufen. Mittlerweile beginne ich wieder zu phantasieren? Ist es Taktik? Auf der Seite der Institution fand ich die drei Buchstaben ABA („um Himmels Willen!“ hätte meine Ex nun gesagt) und interpretiere nun alles mögliche in die Nicht-Reaktion hinein. Reagiert man aus Prinzip nicht auf Hilferufe? Oder ist die Mail einfach untergegangen? Können sie meinen verzweifelten Hilferuf bewusst ignoriert haben?

Ich mache mich wieder selbst verrückt.. Und hoffe einfach nur auf Hilfe.

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18. Juni: Autistic Pride Day

Autistic pride. Stolz auf Autismus? Nein! Es ist so falsch, auf etwas stolz zu sein, was man nicht eigenständig erreicht hat! Sei es Nationalität, Geschlecht, Sexualität oder was auch immer. Worauf man jedoch stolz sein kann – und das erklärt der Artikel ganz gut – ist etwas trotz Einschränkungen erreicht zu haben; sich der Behinderung zu widersetzen. Behindert ist man nicht, man wird es: Durch starre, altbackene Ansichten und Verhaltensweisen von Nichtbetroffenen.

Worauf ich stolz bin? Mit 31 Jahren, nach fast 10 jähriger Isolation, eine dreijährige Ausbildung in 20 Monaten als Jahrgangsbester abgeschlossen zu haben.
Worauf ich stolz bin? Das Abi im zweiten Bildungsweg im Anschluss, ebenfalls als Jahrgangsbester mit Einserschnitt. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, meine Passion in einem Gesellenbrief verewigt und studiere nun das, was mich mein ganzes Leben bereits begeistert, was mich schon als Kleinkind fesselte.

Und das obwohl Anfangs niemand auch nur einen Hauch von Vertrauen oder Hoffnung in meine zielstrebige Planung investieren wollte!

Darauf bin ich stolz!

Weder Ämter, noch die entsprechende Kammer, noch andere Berater, geschweige denn die potentiellen Arbeitgeber bei denen ich mich bewarb – sogar ein Psychologe nahm mir jeglichen Wind aus den Segeln, stempelte mich als dumm ab und meinte allenernstes, dass jemand wie ich nur in einer Behindertenwerkstatt einen Job finden würde [sic!]. Ich wurde ich belächelt, teilweise nichtmal ernst genommen. Man sah den Lebenslauf und pauschalisierte. Ich wurde vor meiner Ausbildung sogar zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, nur mir sagen zu lassen, dass man sich mit einer solchen Lücke im Lebenslauf lieber gleich auf ein Leben in Hartz4 einlassen könne und ich mir keine Hoffnung auf eine Ausbildung machen sollte.

Niemand, absolut niemand machte auch nur den Versuch, hinter die Fassade zu schauen!

Die Genugtuung, die ich durch meine Abschlüsse und Gutachten in den letzten Jahren erlangte, ist grenzenlos. Ein symbolischer Mittelfinger gen all jene, die mich zu Unrecht verurteilten und teils sogar bewusst erniedrigten.

Darauf bin ich stolz und das lasse ich mir nicht nehmen. Die ganze Welt soll das hören!

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Nägel mit Köpfen

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. Bringt ja nichts, ständig vor seinen Problemen weg zu laufen. Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. Fakt ist: Die Trennung von meiner Ex im Herbst 2017 hat mich zerstört. Psychisch, emotional und vor allem sozial.

In den Jahren zuvor habe ich vieles aufgebaut und erlangt, was in den letzten Monaten komplett in sich zusammenstürzte. Ich bin nicht mehr ich. Jeden Tag diese eine, ständig wiederkehrende Frage: Was wäre wenn? Wenn ich nicht abhängig von dieser Person geworden wäre, ich nicht jeden Tag den Schock der Trennung auf’s Neue erleben würde.

Mit jedem weiteren Tag dreht sich die Abwärtsspirale nur noch weiter und hält mich spürbar von den wichtigen Dingen des Lebens ab. Die emotionale Degenerierung ist Woche für Woche stärker spürbar.

Das Leben, das ich momentan führe, ist toxisch und führt zu nichts, außer dass ich der Person, die es am wenigsten verdient hat, auch nach 20 Monaten noch Aufmerksamkeit und Kapazitäten widme. Aufmerksamkeit und Kapazitäten, die anderswo zu kurz kommen: Im Studium, im Leben – einfach überall.

Wie ich eingangs schrieb: Ab jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht. In den letzten Wochen klapperte ich sämtliche psychosoziale Beratungsstellen des Studentenwerkes in Osnabrück und der Hochschule ab und habe nun hoffentlich die letzte Email verschickt, in der meine letzten 18 Monate beschrieben werden.

Ich hoffe, endlich an der richtigen Stelle angelangt zu sein und fiebere natürlich der Antwort entgegen.

Wenn ich also in absehbarer Zeit über mehrere Wochen hinweg nichts verlauten lasse – Keine Panik! Mittlerweile bin ich für jede Form der Therapie offen, auch wenn dies stationär sein muss.

Die Phase des Aufgabens habe ich längst überwunden. Einmal mit Schläuchen im Hals aufwachen, war mehr als genug. Ein einschneidendes Erlebnis, das mir im Nachhinein Kraft gab. Jedoch auch unfassbare Wut und Hass. Beides Faktoren, die ich endlich begraben möchte.

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