In Gedanken versunken..

Eigentlich sollte ich die freie Zeit nach den Prüfungen nun genießen. Es ist Sommer, ich habe Zeit für mich, für meine Interessen – und bin dennoch am Boden zerstört. Es ist Sommer. Der erste Sommer seit Jahren, den ich alleine erlebe. Es fehlt etwas, kaum irgendwelche Aktivitäten machen überhaupt Spaß. Es ist mittlerweile acht Monate her, aber der Schmerz ist allgegenwärtig. Ich versuche mich abzulenken, um nicht durchzudrehen. Mit jedem Tag flammt die Fassungslosigkeit, die Wut, die Trauer, erneut auf und schlägt mit aller Macht ins Gesicht. Ich darf diese Gedanken nicht zulassen, ich darf mich diesen Gedanken nicht hingeben, ich muss stark bleiben. Ich bin allein, ich bin unvollständig. Es schmerzt, ich habe unstillbare Sehnsucht.. Ich kann noch immer nicht akzeptieren, was geschehen ist.

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it’s done.

Morgen steht die letzte Abiturprüfung an. Ich kann es kaum glauben: Ich werde Abitur haben! Zwar nur Fachabitur, aber das macht den Kohl nun auch nicht fett, denn ich werde studieren! Ich werde das studieren, was mich schon immer faszinierte: die Biologie der Pflanzen. Nicht mehr Gartenbau, wie geplant, sondern Pflanzenbiologie – angewandte Pflanzenbiologie. Ich werde Biologe!

Bei einem Vornotenschnitt von 1,3 habe ich zum Glück nicht den Stress, die Prüfungsklausuren perfekt abliefern zu müssen. Hier und da kann ich mir einen Hänger erlauben und ich konzentriere mich auf das, was ich kann, statt in letzter Minute Dinge zu lernen, die ich eh noch nie verstanden habe. Aber das bezieht sich ausschließlich auf Mathematik.

Ich bin endlich dort, wo ich 2005 schon hätte sein müssen.

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REPOST — TV-Tipp: Alan, der autistische Gärtner.

Mal was ganz anderes. Ein Repost meines Hauptblogs:

Der Brite Allen Gardner ist Asperger-Autist und durch seinen Sinn für die Details zu einem preisgekrönten Landschaftsarchitekten geworden. Als Gärtner mit Leib und Seele – und Asperger-Syndrom bringt er Geometrie und Botanik zusammen und schafft dadurch eindrucksvolle Gartenanlagen.

Alan, der autistische Gärtner (Screenshot https://www.tlc.de/programme/alan-der-autistische-gaertner)

Für seine TV-Serie „Alan, der autistische Gärtner“ stellte er ein Team von fünf weiteren Asperger-Autisten zusammen. Durch ihre Spezialinteressen kompensieren sich die Defizite des Einzelnen und das Team stellt sich Aufgaben, mit denen Autisten von Natur aus ihre Probleme haben. Typisch für Autisten: Jeder einzelne ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet, hat aber starke Probleme, die oftmals Barrieren für ein geregeltes Leben darstellen. Gemein ist ihnen jedoch die Liebe für Gärten und Pflanzen.

Die Serie läuft Mittwochs um 21:15 auf TLC. Alternativ findet sich ein Stream auf der Webseite des Senders, der jedoch nur die erste Folge zeigt. Produziert wurde „Alan, the autistic gardener“ bereits ab 2015 von Channel4. Insgesamt umfasst die Serie im Original bis jetzt sieben Episoden.

Die erste – und einzige – Folge, die man im TLC-Stream findet, schaute ich mit einem Schmunzeln. In vielen Eigenarten der Protagonisten erkannte ich mich selbst wieder. Besonders Aussagen wie „die Möglichkeiten sind unendlich und so lange es nicht perfekt ist, ist es eine Katastrophe. Ich denke zu viel nach, an zu viel gleichzeitig„, erkenne ich mich eins zu eins wieder.

Solche Situationen haben mein Leben bislang immer wieder ins Stocken gebracht, da ich dazu tendiere, Dinge unnötig zu verkomplizieren und mir dadurch selbst im Weg bin. Solche Situationen beginnen bei Kleinigkeiten wie: „wie formuliere ich den Satz, den ich gleich aussprechen werde„, gehen – passend zum Thema und ganz aktuell – über „wie gestalte ich die Linienführung der Beeteinfassung“ und reichen letztendlich zu existentiellen Fragen des Seins. Es werden typische Probleme angesprochen, mit denen Autisten im Alltag zu kämpfen haben. Auch die Schwierigkeiten, sich in die Gesellschaft zu integrieren und einen Job zu finden sind Dinge, die jeder Autist sicher schon erlebte.

Doch die Serie ist keine Auflistung von autistischen Negativmerkmalen, sondern zeigt das Potential, das in den Protagonisten schlummert. Sie zeigt auch wunderbar, wie sehr sich Autisten voneinander unterscheiden. Gerade dieser Aspekt ist wichtig um Aufklärung zum Thema Autismus, insbesondere Asperger-Syndrom zu schaffen. Kein Autist ist gleich, das Spektrum an Variationen ist unendlich. Vielen merkt man ihre Behinderung nicht einmal an, andere fallen direkt auf.

Die Frage, die ich mir stellte, bevor ich den Artikel zur Serie schrieb: schreibe ich über autistische Gärtner oder gärtnernde Autisten? Letztendlich bietet das Thema viele Punkte zum einklinken. Jedoch ist es mir ein persönliches Anliegen, das Thema „Autismus“ explizit zu erwähnen.

Seit dem ich weiß, dass ich selber betroffen bin, habe ich es mir auf die Fahne geschrieben, eine Lanze zu brechen für mehr Aufklärung innerhalb der „Normalo-Gesellschaft“. Wer sich für das Thema interessiert, dem empfehle ich einen Blick auf folgenden Artikel „kennst Du einen Autisten, kennst Du einen.. „.

Quelle: https://vegetation-daheim.info/2018/05/01/tv-tipp-alan-der-autistische-gaertner/

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Das übliche Chaos zwischen Parkplatzsuche und Einkäufen.

Ich habe lang überlegt, ob ich den heutigen Beitrag zusätzlich in meiner Facebook Aspiegruppe des Vertrauens posten sollte. Einerseits erfährt man dort direktes Feedback, oftmals in sinnvoller Form, wie man es von Facebookgruppen eigentlich gar nicht gewohnt ist – andererseits überkommt es mich manchmal, meine Inhalte wieder zu löschen, wenn mich die Kommentarflut negativ triggert oder ich den Drang habe mich einfach aus der Diskussion auszuklinken. Ein relativ aspietypisches Verhalten, das jedoch kurioserweise dort nicht geduldet wird und bereits in der Vergangenheit zu Diskussionen führte.. Da diese Regelung einen schon sehr einschränkt, verzichte ich seit geraumer Zeit auf eigene Beiträge, auch wenn sie mir immer halfen, meinen Sichtweise zu einem Standpunkt zu hinterfragen. Schade!

Da ich heute einen Brückentag habe, versprach ich meiner Oma gestern, sie heute früh mit dem Auto abzuholen, um mit ihr in die Stadt zu fahren und mit ihr einzukaufen und Bankgeschäfte zu erledigen. Dort angekommen, erwartete mich das übliche Verkehrschaos in Form von Autoschlangen und Gehupe. Normalerweise kann ich solche Situationen ignorieren und fahre einfach durch – zudem drücke ich selber gern mal auf die Hupe, wenn mir etwas nicht passt, was sich vor meiner Stoßstange abspielt. Jedoch befand ich mich mitten im Getümmel und zudem auf der Suche nach einem Parkplatz. Geschlagene 20 Minuten fuhr ich durch die Innenstadt, um einen verdammten Parkplatz zu finden. Nichts. Mit jeder Minute wurde ich gereizter und aggressiver.

Während ich das fünfte Mal um den Marktplatz fuhr, fanden andere bereits Parkplätze, doch ich fuhr auch ein sechstes und siebtes Mal die selbe Strecke ohne Erfolg. Jedes Mal innerlich aggressiver, den Puls bereits am Hals spürend, den Drang, meinen Kopf aufs Lenkrad zu schlagen. Ich hatte meiner Oma versprochen, die Geschäfte mit ihr heute zu erledigen und habe mich vollkommen darauf eingestellt, dass ich sie zur Bank begleitete und anschließend in den Gemüseladen, um frischen Spargel zu kaufen. Eines habe ich jedoch nicht einkalkuliert: die Parkplatzsuche – und erst recht nicht die Tatsache, dass die Innenstadt an einem Montagmorgen so dermaßen verstopft ist.

Sollte die Fahrt in die Stadt umsonst gewesen sein? Auch sie merkte, dass ich langsam aber sicher „am Rad drehte“ und einfach nur noch „weg wolllte“. Raus aus dieser verstopften Innenstadt, in der die blechgewordene Anarchie wütete. Ich wollte raus aus dem Molloch, doch ich hatte meiner Oma etwas versprochen, das ich natürlich nicht im Sande verlaufen lassen wollte.

Glücklicherweise ergriff sie den Faden und schlug vor, zurück zu fahren, um auf dem Weg beim Supermarkt anzuhalten. Gesagt, getan. Doch auch hier erwartete mich eine ähnliche Szene, in der die Parkplatzsuche den Klimax der Handlung darstellte. Doch hatte ich hier etwas mehr Glück, als in der Innenstadt und erwische die letzte freie Parkbox.

Im Laden angekommen griff ich mir intuitiv einen kleinen Einkaufskorb, meine Oma jedoch wollte einen Wagen holen. Die Idee redete ich ihr aus und stellte den Einkaufskorb als viel praktischeres Transportmittel dar. Jedoch fiel mir erst hinterher ein, dass sie sich wahrscheinlich am Wagen aufstützen wollte und ihr das Laufen dadurch leichter fiel. Egoistisch wie ich bin, bestand ich jedoch auf meinen Einkaufskorb und raste in den Laden. Das schlechte Gewissen kam schleppend. Ich versuchte noch während des Einkaufes sie davon zu überzeugen, ihr einen Wagen zu holen. Doch sie schlug aus. Dieser Gedanke brannte sich in mein Gehirn und ich überdachte ihn in jeglichen Variationen: Weshalb war ich so blind und kam nicht vorher drauf, dass sie den Wagen vielleicht als Gehhilfe nutzen wollte? Wozu sollte man sonst einen Wagen nehmen, wenn man eh nur 3 Teile kaufen möchte? Ich fühlte mich so dermaßen dämlich und hätte mich selber in den Hintern treten können.

An der Wursttheke angekommen, wartete ich in zweiter Reihe, während meine Oma ihre Wurst kaufte. Ich beobachtete die Situation, wie ich es am besten kann: Als Außenstehender. Ich analysierte die Bedienungen und musterte jede ihrer Bewegungen. Eine Frau fiel mir besonders negativ auf: Im Gegensatz zu den anderen dreien, trug sie nur einen Gummihandschuh. Die rechte Hand war unbekleidet und griff immer wieder abwechselnd unbewusst an ihre Haare und an die Wurst, die sie aus der Auslage nahm. Mit der nackten Hand, mit der sie sich eben noch durchs Haar fuhr, ergriff sie den Kochschinken und wühlte in dem Stapel geschnittener Scheiben wie in einem Buch, in dem sie eine Seite suchte. Ich versuchte meine Oma aus dem Off ständig darauf hinzuweisen, doch sie war viel zu sehr vertieft in ihre Bestellungen und Smalltalk mit den anderen Kundinnen, die an der Theke warteten. Nachdem nun auch die zweite Wurstsorte von der Bedienung mit der ungeschützten, keimverseuchten Hand angefasst wurde, platzte mir der Kragen und ich fuhr sie lautstark an. Ich hätte am liebsten den Einkaufskorb samt Inhalt in die Wursttheke geschmissen. Sichtlich peinlich ergriffen entschuldigte sich die Bedienung, wusch sie die Hände, zog sich zwei neue Handschuh an und verpackte die Wurst erneut, während sie sich weiterhin für ihr Verhalten entschuldigte. Ich merkte gar nicht, wie sehr ich die Blicke auf mich zog, als ich das Verhalten der Bedienung als Widerlich und Ekelhaft bezeichnete. Wie selbstverständlich nahmen alle anderen Kunden es duldend hin, Wurst verpackt zu bekommen, die mit nackten Händen angefasst wurde. Ich fühlte mich in dem Augenblick sicherlich genau so schlecht, wie die Bedienung, die ich bloßstellte.

Während meine Oma weiter einkaufte, zog ich mich zurück und fühlte mich wie ein Angeklagter, der von allen Seiten angestarrt wurde. Im Auto angekommen, versuchte ich meiner Oma die Situation und den Auslöser dafür zu schildern. Sie stimmte mir zwar zu, doch fühlte ich mich immer noch seltsam.

Eigentlich ist es gar nicht meine Art, mich lautstark in der Öffentlichkeit über andere zu echauffieren. Im Augenblick tat es wirklich gut und ich fühlte mich selbstbewusst und sicher – auch wenn hinterher seltsame Schuldgefühle einsetzten.

Die Vorfälle am Morgen führten dazu, dass ich mich hinlegen musste und den ganzen Nachmittag verschlief. Ich schreibe diesen Text um 18:18. Etwa sieben Stunden nach den geschilderten Vorfällen und jetzt ärgere ich mich darüber, dass ich meine Kritik nicht eloquenter Argumentierte. Doch sie war aus mir herausgeplatzt, ohne vorher zu überlegen.

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Kommentar zum Thema Hikikomori

Unter einem Artikel zum Thema Hikikomori (einem Begriff, mit dem ich mich jahrelang selbst identifizierte, ohne jedoch eine Japanaffinität zu besitzen), schrieb ich eben folgende Zeilen

Ähnlich ging es mir einige Jahre lang.. Ich blockte sämtliche sozialen Kontakte. Teilweise verließ ich über Wochen nicht mein Zimmer und flüchtete mich in eine Traumwelt, bestehend aus Wissenschaft und Technik. Ich wurde als dumm, faul und arbeitsunwillig abgestempelt und ohne meine damalige Freundin hätte ich es wohl nie geschafft, aus der Spirale heraus zu kommen (wie ich in dem Zustand eine Beziehung fand, ist mir immer noch ein Rätsel). Was dann folgte, war ein jahrelanger Psychiater-Marathon, der jedoch nur die Symptome bekämpfte: Depression. Schlussendlich wurde mit 29 nach jahrelanger Unsicherheit und Identitätskrise das Asperger-Syndrom diagnostiziert, auf das sich alles zurückführen ließ. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Der dumme, arbeitsunwillige Loser ist letztendlich ein hochintelligenter Autist, der sich jahrelang selbst im Weg war und zu viel nachdachte. Die Beziehung ist mittlerweile zwar gescheitert, aber meine beruflichen Pläne gehen nun voll auf und die akademische Laufbahn folgt. Soviel zum Thema dumm und arbeitsunwillig. Man darf Menschen nicht abstempeln und aufs Abstellgleis schieben. Leider war es das einzige, was ich in den Jahren erlebte. Gerade bei solchen Symptomen (soziale Isolation, keine geregelten Tagesabläufe) muss man hellhörig werden und Betroffenen eine Hand reichen, weil allein schaffen es nur die wenigsten..

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Social Life vs. Asperger

Nachdem ich über Wochen mal wieder die Abende allein daheim verbrachte, die letzten zwei Wochen davon jedoch mit triftigem Grund (Grippe), entschied ich mich, das letzte Urlaubswochenende doch endlich mal wieder unters Volk zu gehen. Kurzerhand lud ich mich selbst zu einer Geburtstagsparty ein, im Anschluss ging es in eine Diskothek.

Fakten des Abends: Woran man merkt, dass man alt wird? Auf Geburtstagsparties werden Ultraschallbilder herumgereicht und geschätzt 50% der anwesenden Frauen sind schwanger. Über inkorrekte Flachwitze lacht kaum jemand. Feiert man so, wenn man ü30 ist? Ich gehe in mich: Was bringt Menschen dazu, sich heutzutage noch zu reproduzieren? Ich sollte nicht drüber philosophieren, es führt eh zu nichts.

Fakt 2.: „lach doch mal“ – ein Satz, den ich in den 12 Stunden öfter hörte, als in den vergangenen 2 Jahren zusammen. Der „ernste“ Blick ist unbewusst und drückt nichts Negatives an meiner Stimmung aus. Der Unterschied zwischen Spaß und Leid lässt sich an mir leider manchmal schwer erkennen.

Fakt 3.: Ich habe es tatsächlich geschafft, eine kurze Konversation mit einer fremden Person zu führen. Jedoch war diese Frau so betrunken, daß sie hinterher ins Delirium fiel und von der Security nach draußen befördert wurde. Ich glaube, die Konversation mit mir muss sehr spannend gewesen sein – Nicht. Wahrscheinlich so belanglos und beliebig, wie alle anderen Konversationen, die diese Person an diesem Abend führte.

Fakt 4.: ich zwinge mich zu sozialer Interaktion und verbleibe mit einem Gefühl der Distanz. Zwischen hunderten Menschen in einer Diskothek; unsichtbar und immer noch von dieser seltsamen autistischen Blase umgeben, die jegliche Kommunikationskanäle zur Außenwelt verschlüsselt und dazu führt, dass man völlig falsche Signale sendet und letztendlich so interessant ist, wie die leeren Gläser am Thresen – obwohl es das Letzte ist was man wollte. Es nervt irgendwie. Ich will mit Menschen kommunizieren, befinde mich aber in einer kommunikativen Einbahnstraße.

Fakt 5.: wenn der Tag schon seltsam autistisch beginnt (*), hilft auch Alkohol nicht weiter. Gar nicht. Ich wollte mich ablenken, zermaterte mir aber im Anschluss den Kopf mit sinnlosen Fragen. Ich hoffte, das Alien in mir besser unter Kontrolle zu haben. Dem ist leider nicht so. Hallo, Alien.

(*) Es war einer dieser Tage, an denen mein Gehirn nicht zur Ruhe kam. Schon morgens war ich nicht fit und das „Gefühl“ legte sich wie ein Schleier auf meine Gedanken. Jedoch zwang ich mich zu einem adäquaten Rhythmus und verzichtete auf einen exzessiven Mittagsschlaf. Manchmal gelingt es mir, dieses „Gefühl“ zu unterdrücken und soweit in den Hintergrund zu stellen, dass es keine Macht über mich entwickelt und ich relativ „normal“ in Gesellschaft agiere. Dann gibt es jedoch diese Tage, an denen ich mir einrede, dass ich das „Gefühl“ verdrängen kann, jedoch gnadenlos dran scheitere und wie eine leere Hülle wirke. Ich habe bislang keine Möglichkeiten gefunden, dem entgegenzuwirken. Leider nehmen diese Tage wieder zu..

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Status Quo: Ende März 2018.

Momentan befinde ich mich wieder in einem Strudel aus Gedanken. Nachdem ich das spätwinterliche „Verliebtsein“ aus rationalen Gründen recht schnell wieder einstellte, dachte ich viel an meine letzte Beziehung zurück. Erschwerend kam hinzu, dass meine Familie immer noch unter der Trennung zu leiden hat und es schmerzt, wenn ich sehe, dass andere Menschen heute noch deswegen weinen, weil angeblich ja alles so optimal war.. Naja, diese anderen Menschen sind eben nur andere Menschen, wenn auch nahestehende Verwandte, jedoch trotzdem nicht in der Lage über die beendete Beziehung zu urteilen. Es hatte alles seine Gründe und letztendlich bin ich froh, „frei“ zu sein.

Das Nachdenken wird bestärkt durch die Tatsache, dass in wenigen Wochen für mich ein neuer Lebensabschnitt beginnt und ich mit dem Abi fertig sein werde. Danach stehen Dinge an, die für mich totales Neuland sind: Umzug in eine fremde Stadt, studieren, völlig auf sich allein gestellt sein.. Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll..

Auch die angestrebte Autismustherapie konnte ich durch den massiven Stress durch Schule und co. bislang noch nicht antreten. Angesichts der langen Genehmigungszeit durch Amtswegen wird sich das auch – zumindest im Ruhrgebiet – nicht mehr lohnen. Ich habe es nicht geschafft, auch nur den einfachsten Amtsweg zu gehen.. Ich habe es nicht geschafft, mich um etwas zu kümmern, dass mir gut täte. Ich habe wieder auf Hilfe von außen gewartet, aber diese nicht bekommen.

Ich fühle mich gerade in jeglicher Hinsicht alleingelassen. Die Schule überlebe ich kurz vorm Abi nur, weil ich stumpf geradeaus drücke, ohne auch nur einen Millimeter vom Weg abzuweichen. Es klappt, ich schreibe Bestnoten, aber habe auch meine Hänger, die sich jedoch ausgleichen lassen und kein Problem darstellen. Jedoch müssten diese Hänger nicht sein, wenn ich meinen Kopf frei hätte und zwischendurch auch mal „abschalten“ könnte. Ich bin seit Jahresbeginn nur noch auf 180, komme nicht zur Ruhe, liege bis in die Morgenstunden wach, gehe völlig übermüdet in die Schule, schlafe dort meist ein und halte einen Mittagsschlaf bis zum Abend. Der Versuch meinen Rhythmus zu ändern schlug mehrfach fehl. Habe ich wieder einen normalen Rhythmus intus, ist dieser nach dem ersten Schultag wieder komplett zerrüttet, da mich allein die Anwesenheit in der Schule so dermaßen stresst, dass ich Mittags wieder schlafen muss, um nicht komplett am Rad zu drehen.

Es ist gerade alles sehr instabil, meine Gedanken habe ich halbwegs im Griff, jedoch versucht mich eine Stimme aus meinem tiefsten Innern wieder von der Sinnlosigkeit aller Unterfangen zu überzeugen..

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Schmetterlinge..

Manch Aspie würde sagen, wenn man Schmetterlinge im Bauch haben möchte, sollte man sich Raupen in den Hintern schieben. Klingt logisch.. Ich bevorzuge aber die geläufigere Variante, die mich wahrscheinlich nun erwischt hat.

Was kurz vor Silvester mit einem recht banalen Treffen zum gemeinsamen Fotografieren begann, steigerte sich in den letzten Wochen zu einer sehr intensiven Erfahrung. Für meinen eher vorsichtigen Charakter war es schon fast zu schnell, hatte ich doch irgendwie erst vor nicht all zu langer Zeit ein – für mich – sehr langes Beziehungskapitel geschlossen. Doch was hatte ich zu verlieren? Ich nahm mir vor, mich von der Trennung nicht beeinflussen zu lassen und wollte mich aktiv den Herausforderungen stellen, denen man gegenübertritt, wenn man bewusst und aktiv Menschen kennenlernen will.

Schon das erste Treffen versprühte diese Stimmung, die man einfach nicht hat, wenn man sich „nur“ zur gemeinsamen Freizeitgestaltung trifft. Es war, als kannte man sich ewig – was nicht zuletzt auch daran lag, dass wir im Vorfeld wochenlang miteinander kommunizierten und man dabei sehr viel über das Gegenüber erfuhr. Es gab viele Gemeinsamkeiten. In erster Linie gemeinsame Interessen und was ich teils sehr verwundernd fand: Gewissermaßen ähnliche Denk- und Handlungsweisen.

Ich ließ mich treiben auf den sanften zuckersüßen Wogen, die mir entgegenschwappten. Aus dem ersten Treffen wurden viele. Ich ging fest davon aus, dass ich nach der Trennung für lange Zeit taub für Gefühle sein würde, aber scheinbar irrte ich mich.

Zum ersten Mal seit langer, langer Zeit verspüre ich wieder den Drang, mich ins Zeug zu legen, aktiv zu sein. Komischerweise bin ich nun derjenige, der einen Satz hörte, der eigentlich sonst immer von mir kam: zu viel Nähe verursacht Stress und erfordert das Aufladen der eigenen Akkus.

Die Aussage hätte von mir stammen können, auch wenn es mich verwundert und diese Ähnlichkeit doch ein wenig erschreckt. Aber es ist Okay für mich. Ich fühle mich verstanden und genieße die Zeit. Ich bin glücklich, wenn auch etwas melancholisch, weil ich in einen Spiegel schaue, dessen Spiegelbild mir befremdlich vorkommt, weil es mir eben so vertraut ist. Und nicht zuletzt auch, weil mein Verhalten andere Menschen verletzte..

Doch jeder Moment ist schön, ich sehe plötzlich wieder Farben, dort wo die Dunkelheit überwog. Plötzlich verspüre ich Freude an Dingen, an denen ich im Laufe der letzten Jahre völlig das Interesse verlor, zu denen ich mich letztendlich gar nicht mehr im Stande sah. Es tut gut. Es fühlt sich richtig an, aber doch ungewohnt anders. Arm in Arm einschlafen, sich nahe sein und trotzdem eine zaghafte Distanz wahren. Sich langsam von Ebene zu Ebene arbeiten und diese stärker werdende Wärme spüren, die vieles vergessen lässt. Hoffnung.

Es ist gut.

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Halbzeit!

Abi im zweiten Bildungsweg mit 32.. Von vielen Seiten wurde mir damals abgeraten, nach der Ausbildung den Schritt nochmal zu gehen: Viel mehr Stress, viel mehr lernen, einfach viel mehr Input – da ich während der Ausbildung immer mal wieder dem Burnout nahe war, appellierte man an mich, dass ich mich nicht übernehmen solle mit meinen kühnen Plänen. Interessanterweise kamen diese Kommentare genau von den Leuten, die auch während meiner Ausbildung – zumindest zu Beginn – kaum Hoffnung in mich setzten.

Und was war? Mit einer 1,0 in der Zwischenprüfung verkürzte ich um ein Jahr und wurde Jahrgangsbester.

Nun neigt sich auch das Abi, das durch meine Ausbildung glücklicherweise nur ein Schuljahr dauert, langsam aber sicher seinem Höhepunkt zu. Es gab Halbjahreszeugnisse. 1,5er Schnitt bei 7 Einsen. Ich bin zufrieden und meinem Traumstudium wieder einen Schritt näher.

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